Außerdem gesehen VI

16. April 2011 § 0 Kommentare

Der Frühling hält end­lich Einzug, und irgend­wie for­dert das sei­nen Tribut: Kino ist deut­lich sel­te­ner die attrak­tivste Option für die Freizeitgestaltung. Trotzdem hat’s wie­der gereicht für heiße Girlie-Action, einen Dirty Rentner, Pornos, Ozeanographen und natür­lich eine Prise bil­lige Science-Fiction.

Im Kino

Sucker Punch Sucker Punch

Beim Abspann von Sucker Punch sieht man die gan­zen Hauptdarsteller noch­mal zwi­schen den Credits auf der Bühne her­umhop­sen und das Schlusslied per­for­men. Normalerweise heißt das soviel wie: Sitzenbleiben, wei­ter­gu­cken! Und nor­ma­ler­weise hal­ten sich die Leute auch dran. Aber nicht in die­sem Fall.

Denn bis dahin hat Zack Snyder die Mehrheit des Publikums schon ganz hübsch ver­grätzt, und die meis­ten ste­hen auf und mar­schie­ren mosernd aus dem Saal sobald der erste Name ein­ge­blen­det wird. Diese Leute haben alle das Problem, dass sie irgend­wie das bekom­men haben, was sie erwar­tet haben, aber doch auch wie­der nicht so rich­tig. Ein Prügelstreifen mit hei­ßen Weibern, okay. Das woll­ten alle sehen. Aber drei ver­schie­dene Realitätsebenen? Allesamt ziem­lich sur­real? Und ohne kla­ren logi­schen Bezug zuein­an­der? Zombie-Soldaten und Drachen und weiß­gott­noch­was für selt­same Ausgeburten?

Das über­for­dert das tumbe Actionpublikum. Folgerichtig wird vie­ler­orts ein­fach mal behaup­tet, da lebe der Regisseur bloß seine feuch­ten Phantasien aus. Auf der ande­ren Seite gibt es Leute, die in allem und jedem einen tie­fe­ren Sinn sehen kön­nen und behaup­ten, Sucker Punch wäre ein ganz bedeu­tungs­vol­les Werk über die Macht der Phantasie, das ledig­lich unter­schätzt und miss­ver­stan­den wird. Ich will mich da nicht ein­mi­schen. Fest steht nur, was auf dem Filmplakat steht: „You will be unprepared.“

Auf DVD

Gran Torino Gran Torino

Als die­ser Film in den ame­ri­ka­ni­schen Kinos gelau­fen ist, war sich alle Welt sicher, dass Clint Eastwood dafür end­lich den Darstelleroscar bekommt, der ihm anschei­nend rein qua Senioritätsprinzip schon lange zusteht. Noch dazu, wo er ange­droht hatte, danach viel­leicht nie mehr selbst auf der Leinwand zu erschei­nen. Aber die Academy hat das nicht inter­es­siert: Gran Torino war für kei­nen ein­zi­gen Oscar nominiert.

Und aus gutem Grund. Was wir hier zu sehen krie­gen, ist ein xeno­pho­ber alter Knacker, der sich mit sei­nen asia­ti­schen Nachbarn anfreun­det und sich dar­über lang­sam in eine Art alt­ge­wor­de­nen Dirty Harry ver­wan­delt. Man sollte mei­nen, dass das für Eastwood keine große schau­spie­le­ri­sche Herausforderung ist, aber tat­säch­lich kauft man ihm seine Rolle erst zum Schluss ab, wenn er sich in gewohn­ten Bahnen bewe­gen darf. Dazu sprüht die Story vor poli­ti­scher Korrektheit, was eigent­lich ein Honigtopf für Filmpreisjurys ist, aber wenn sonst nichts gebo­ten ist, dann funk­tio­niert die­ser Trick glück­li­cher­weise doch nicht so gut.

Zack and Miri Make a PornoZack and Miri Make a Porno

Zack und Miri ken­nen sich seit ihrer Kindheit, und irgend­wie haben sie es beide geschafft, das Erwachsenenalter zu errei­chen, ohne irgend erwas Sinnvolles mit ihrem Leben anzu­fan­gen. Oder wenigs­tens mit­ein­an­der: Sie tei­len sich eine Wohnung, deren Miete sie sich kaum leis­ten kön­nen, aber dass sie auf mehr als freund­schaft­li­cher Ebene für­ein­an­der bestimmt sein könn­ten, kommt ihnen gar nicht in den Sinn.

Als ihnen schließ­lich Strom und Wasser abge­stellt wer­den, herrscht erheb­li­cher Handlungsbedarf, und sie kom­men auf die gar nicht so dumme Idee, einen Pornofilm zu dre­hen, um ihre finan­zi­elle Lage end­lich unter Kontrolle zu krie­gen. Was natür­lich bedeu­tet, dass sie end­lich Sex mit­ein­an­der haben müssen…

Der Film ist tat­säch­lich von Kevin Smith, und unge­fähr eine Stunde lang merkt man das auch. Der Meister ist zwar nicht gerade in Höchstform, aber er erzählt uns eine gute und wit­zige Story mit Anklängen der dia­lo­gi­schen Brillanz, für die er so berühmt ist. Aber sobald Zack und Miri mer­ken, wie fürch­ter­lich ver­liebt sie eigent­lich sind, geht es rasant abwärts. Die übli­chen Eifersuchtsdramen einer roman­ti­schen Komödie müs­sen in etwa einer Viertelstunde durch­ex­er­ziert wer­den, wodurch für emo­tio­nale Glaubwürdigkeit kein Platz mehr bleibt, und eigent­lich hätte man ja sowieso lie­ber gese­hen, wie die Pornokarriere die­ser bei­den sym­pa­thi­schen Slacker abhebt.

Das kann dann eigent­lich gar nicht mehr von Kevin Smith sein. Das muss ihm ein pri­mi­ti­ver Produzent um der Massenkompatibilität wil­len ins Drehbuch dik­tiert haben. Das muss der Grund sein, warum er sei­nen neuen Film selbst ver­mark­tet. Andernfalls müsste ich ja glatt an mei­ner Begeisterung für sein Œuvre zweifeln.

Die TiefseetaucherDie Tiefseetaucher

Immerhin kann man sich auf Wes Anderson ver­las­sen. Bei dem ist es ja auch immer so, dass man bes­ser eine ganz spe­zi­elle Form von Humor mit­brin­gen sollte, um seine Werke genie­ßen zu kön­nen. Beziehungsweise, eigent­lich, genau­ge­nom­men, objek­tiv betrach­tet ist die Story des abge­half­ter­ten Ozeanographen und Dokumentarfilmers Steve Zissou so gut wie über­haupt nicht rich­tig lus­tig. Eigentlich ist das eher ein melan­cho­li­sches Drama, und nicht mal ein beson­ders inter­es­san­tes. Aber Anderson schrammt immer ganz knapp an der Grenze zur Absurdität ent­lang, taucht dann plötz­lich für ein paar Sekunden ganz tief rein und macht sofort wei­ter, als wäre nichts pas­siert. Das Ganze fin­det in einem rück­sichts­los farb­ge­sät­tig­ten Setdesign statt, Bill Murray ist mit dabei, und die deut­sche Synchronisation ist so erst­klas­sig, als wäre sie von Erika Fuchs geschrie­ben worden.

Die Tiefseetaucher füh­len sich unge­fähr so an, als würde man bekifft Serengeti darf nicht ster­ben anschauen, nur mit Fischen statt Löwen. Das ist wahr­schein­lich auch nicht jeder­manns Sache, aber für mich funktioniert’s.

Im Fernsehen

Lost Future — Kampf um die ZukunftLost Future - Kampf um die Zukunft

Wenn die Leute an Science Fiction die glei­chen nied­ri­gen Ansprüche stel­len wür­den wie an gewisse andere Genres, dann müsste so etwas wie Lost Future keine bil­lige TV-Produktion sein. Natürlich wim­melt es hier von Themen und Figuren aus dem Standardrepertoire der Zukunftsfantastik: Irgendwie ist wie­der mal ein Virus aus dem Labor ent­kom­men, der Großteil der Menschheit hat sich in Zombies ver­wan­delt (die aller­dings nicht so hei­ßen, es ist ja Science Fiction), und ein paar aus­ge­wählte Helden müs­sen aller­hand Abenteuer beste­hen, um das Gegenmittel zu fin­den. Alles schon mal dage­we­sen, klar. Aber Originalität ist zwar was Schönes, aber nicht immer und um jeden Preis not­wen­dig. Wenn’s gut insze­niert und ordent­lich gespielt wird, dann kann auch Heftchenromanniveau mal ganz nett sein. Bei Dutzenden bere­chen­ba­rer roma­ti­scher Komödien jedes Jahr stört das ja auch nie jemanden.

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