Der Frühling hält endlich Einzug, und irgendwie fordert das seinen Tribut: Kino ist deutlich seltener die attraktivste Option für die Freizeitgestaltung. Trotzdem hat’s wieder gereicht für heiße Girlie-Action, einen Dirty Rentner, Pornos, Ozeanographen und natürlich eine Prise billige Science-Fiction.
Im Kino
Sucker Punch 

Beim Abspann von Sucker Punch sieht man die ganzen Hauptdarsteller nochmal zwischen den Credits auf der Bühne herumhopsen und das Schlusslied performen. Normalerweise heißt das soviel wie: Sitzenbleiben, weitergucken! Und normalerweise halten sich die Leute auch dran. Aber nicht in diesem Fall.
Denn bis dahin hat Zack Snyder die Mehrheit des Publikums schon ganz hübsch vergrätzt, und die meisten stehen auf und marschieren mosernd aus dem Saal sobald der erste Name eingeblendet wird. Diese Leute haben alle das Problem, dass sie irgendwie das bekommen haben, was sie erwartet haben, aber doch auch wieder nicht so richtig. Ein Prügelstreifen mit heißen Weibern, okay. Das wollten alle sehen. Aber drei verschiedene Realitätsebenen? Allesamt ziemlich surreal? Und ohne klaren logischen Bezug zueinander? Zombie-Soldaten und Drachen und weißgottnochwas für seltsame Ausgeburten?
Das überfordert das tumbe Actionpublikum. Folgerichtig wird vielerorts einfach mal behauptet, da lebe der Regisseur bloß seine feuchten Phantasien aus. Auf der anderen Seite gibt es Leute, die in allem und jedem einen tieferen Sinn sehen können und behaupten, Sucker Punch wäre ein ganz bedeutungsvolles Werk über die Macht der Phantasie, das lediglich unterschätzt und missverstanden wird. Ich will mich da nicht einmischen. Fest steht nur, was auf dem Filmplakat steht: „You will be unprepared.“
Auf DVD
Gran Torino 

Als dieser Film in den amerikanischen Kinos gelaufen ist, war sich alle Welt sicher, dass Clint Eastwood dafür endlich den Darstelleroscar bekommt, der ihm anscheinend rein qua Senioritätsprinzip schon lange zusteht. Noch dazu, wo er angedroht hatte, danach vielleicht nie mehr selbst auf der Leinwand zu erscheinen. Aber die Academy hat das nicht interessiert: Gran Torino war für keinen einzigen Oscar nominiert.
Und aus gutem Grund. Was wir hier zu sehen kriegen, ist ein xenophober alter Knacker, der sich mit seinen asiatischen Nachbarn anfreundet und sich darüber langsam in eine Art altgewordenen Dirty Harry verwandelt. Man sollte meinen, dass das für Eastwood keine große schauspielerische Herausforderung ist, aber tatsächlich kauft man ihm seine Rolle erst zum Schluss ab, wenn er sich in gewohnten Bahnen bewegen darf. Dazu sprüht die Story vor politischer Korrektheit, was eigentlich ein Honigtopf für Filmpreisjurys ist, aber wenn sonst nichts geboten ist, dann funktioniert dieser Trick glücklicherweise doch nicht so gut.
Zack and Miri Make a Porno

Zack und Miri kennen sich seit ihrer Kindheit, und irgendwie haben sie es beide geschafft, das Erwachsenenalter zu erreichen, ohne irgend erwas Sinnvolles mit ihrem Leben anzufangen. Oder wenigstens miteinander: Sie teilen sich eine Wohnung, deren Miete sie sich kaum leisten können, aber dass sie auf mehr als freundschaftlicher Ebene füreinander bestimmt sein könnten, kommt ihnen gar nicht in den Sinn.
Als ihnen schließlich Strom und Wasser abgestellt werden, herrscht erheblicher Handlungsbedarf, und sie kommen auf die gar nicht so dumme Idee, einen Pornofilm zu drehen, um ihre finanzielle Lage endlich unter Kontrolle zu kriegen. Was natürlich bedeutet, dass sie endlich Sex miteinander haben müssen…
Der Film ist tatsächlich von Kevin Smith, und ungefähr eine Stunde lang merkt man das auch. Der Meister ist zwar nicht gerade in Höchstform, aber er erzählt uns eine gute und witzige Story mit Anklängen der dialogischen Brillanz, für die er so berühmt ist. Aber sobald Zack und Miri merken, wie fürchterlich verliebt sie eigentlich sind, geht es rasant abwärts. Die üblichen Eifersuchtsdramen einer romantischen Komödie müssen in etwa einer Viertelstunde durchexerziert werden, wodurch für emotionale Glaubwürdigkeit kein Platz mehr bleibt, und eigentlich hätte man ja sowieso lieber gesehen, wie die Pornokarriere dieser beiden sympathischen Slacker abhebt.
Das kann dann eigentlich gar nicht mehr von Kevin Smith sein. Das muss ihm ein primitiver Produzent um der Massenkompatibilität willen ins Drehbuch diktiert haben. Das muss der Grund sein, warum er seinen neuen Film selbst vermarktet. Andernfalls müsste ich ja glatt an meiner Begeisterung für sein Œuvre zweifeln.
Die Tiefseetaucher

Immerhin kann man sich auf Wes Anderson verlassen. Bei dem ist es ja auch immer so, dass man besser eine ganz spezielle Form von Humor mitbringen sollte, um seine Werke genießen zu können. Beziehungsweise, eigentlich, genaugenommen, objektiv betrachtet ist die Story des abgehalfterten Ozeanographen und Dokumentarfilmers Steve Zissou so gut wie überhaupt nicht richtig lustig. Eigentlich ist das eher ein melancholisches Drama, und nicht mal ein besonders interessantes. Aber Anderson schrammt immer ganz knapp an der Grenze zur Absurdität entlang, taucht dann plötzlich für ein paar Sekunden ganz tief rein und macht sofort weiter, als wäre nichts passiert. Das Ganze findet in einem rücksichtslos farbgesättigten Setdesign statt, Bill Murray ist mit dabei, und die deutsche Synchronisation ist so erstklassig, als wäre sie von Erika Fuchs geschrieben worden.
Die Tiefseetaucher fühlen sich ungefähr so an, als würde man bekifft Serengeti darf nicht sterben anschauen, nur mit Fischen statt Löwen. Das ist wahrscheinlich auch nicht jedermanns Sache, aber für mich funktioniert’s.
Im Fernsehen
Lost Future — Kampf um die Zukunft

Wenn die Leute an Science Fiction die gleichen niedrigen Ansprüche stellen würden wie an gewisse andere Genres, dann müsste so etwas wie Lost Future keine billige TV-Produktion sein. Natürlich wimmelt es hier von Themen und Figuren aus dem Standardrepertoire der Zukunftsfantastik: Irgendwie ist wieder mal ein Virus aus dem Labor entkommen, der Großteil der Menschheit hat sich in Zombies verwandelt (die allerdings nicht so heißen, es ist ja Science Fiction), und ein paar ausgewählte Helden müssen allerhand Abenteuer bestehen, um das Gegenmittel zu finden. Alles schon mal dagewesen, klar. Aber Originalität ist zwar was Schönes, aber nicht immer und um jeden Preis notwendig. Wenn’s gut inszeniert und ordentlich gespielt wird, dann kann auch Heftchenromanniveau mal ganz nett sein. Bei Dutzenden berechenbarer romatischer Komödien jedes Jahr stört das ja auch nie jemanden.
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